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Wie ich zum Schauspiel kam

Die Journalistin Petra Burggraf hat mich in einem Artikel für das »Wedel-Schulauer Tageblatt« im Jahr 2012 portraitiert.

  • Tim Feindt - Männerhort, 2011
  • Tim Feindt - Dinner für Spinner, 2007
  • Tim Feindt - Yvonne, die Burgunderprinzessin
  • Tim feindt - Pippi Langstrumpf
  • Tim feindt - Hamburg Hafen

»Gestammelt, gestottert und gezittert« habe er beim allerersten Mal auf der Bühne, erzählt Tim Feindt, einer der rund zwölf Leute umfassenden Batavia-Kerntruppe. Damals in der Schule, da hatte er gegenüber Schülern vom Theaterkurs »ein bisschen dicke Lippe riskiert« und ganz forsch gesagt, »Das kann ich auch«. Schon war er eingeplant: Drittbesetzung, er sollte den verklemmten Liebhaber geben. Es fielen dann tatsächlich beide Darsteller aus, er musste ran. »Mit hochrotem Kopf stand ich da, total nervös, und am Ende waren alle begeistert. Dabei war meine Aufregung gar nicht gespielt«.

Dann kam Batavia-Chef Hannes Grabau in Spiel. »Ich saß zufällig auf dem Schiff«, so Tim Feindt weiter, »kannte niemanden, und Hannes setzte sich zu mir. Er könne mich für sein neues Kinderstück gebrauchen. Das fand ich so frech, dass er mich praktisch besetzt, ohne mich zu fragen, dass ich zugesagt habe. Dann bin ich da hingegangen, und seitdem bin ich dabei.«

Das ist nun 20 Jahre her. Der gebürtige Wedeler, neben dem zeitintensiven Schauspiel in einem Hamburger Verlag arbeitet, spielt zurzeit mit bei »Pippi Langstrumpf«, ist aber zwischenzeitlich in zahlreiche andere Rollen geschlüpft. Man erinnere sich nur an den Piloten in »Männerhort«, dieser köstlichen Komödie, bei der es sich vier Männer jeden Sonnabendnachmittag im Heizungskeller eines Einkaufszentrums bequem machen, um nicht weiter mit ihren Frauen auf Shopping-Tour gehen zu müssen.

»Dabeisein« auf dem Wedeler Theaterschiff, das in diesem Jahr sein 40-Jähriges feiert, das bedeutet professionelles Arbeiten und - neben dem Kindertheater - ein bis zwei Inszenierungen im Jahr. Längst nicht jedes Stück ist für diese sehr individuelle Schiffsbühne geeignet. Man braucht: wenige Bühnenbilder und somit kaum Umbauten, keinen zu »hochtrabend intellektuellen Stoff«, geeignete Altersklassen und ein ausgewogenes Männer-Frauen-Verhältnis.

Im Frühjahr geht´s los. Alle hören sich um, lesen Literatur, gehen auch mal selbst ins Theater, bis man sich dann für ein Werk entscheidet. Dann werden die Texte gelernt (zum Teil per mp3), die eigenen, und wegen der Einsätze sollte man auch die der anderen kennen. Im Sommer fangen die Proben an - meist unter der Leitung von Angelika Strub. Hannes Grabau kümmert sich derweil mehr ums Kindertheater. Zunächst probt man einmal pro Woche, dann zwei- bis dreimal. Vor der Premiere wird´s »knallthart«: tägliche Treffen und Ganztagesproben am Wochenende von acht bis sechs.

Wenn niemand ausfällt oder ernsthaft erkrankt (»Mit Schnupfen und Fieber wird auch gespielt.«), steht man im Herbst mit voller Konzentration auf der Bühne. Über das Publikum schaut man hinweg (ab Reihe zwei erkennt man eh nichts mehr), denn: »Nur eine halbe Sekunde abgelenkt, und man ist raus.« Man freut sich über laute Lacher, wird eher unsicher, wenn das Publikum kaum reagiert oder anfänglich nur in sich »hineinschmunzelt«. Und nach der Vorstellung geht´s noch hoch zum Klönschnack mit den Zuschauern, die dies von den Schauspielern mittlerweile fast schon erwarten.

Strapazen, ein hoher Zeitaufwand - und trotzdem macht es Tim Feindt »total Spaß«. Wegen der engen Freundschaften, der familiären Atmosphäre, wegen Hannes (für ihn eine »Oase der Menschlichkeit«). Die Batavia - fast schon ein zweites Zuhause. Viel dazugelernt habe er. »Sich vor Leute hinzustellen, ist ja schließlich auch eine Überwindung«. Das alles wolle er nicht missen. Nur dass er meist den Bösen spielen muss, den fiesen Anwalt, den Räuber. »Liegt wohl an meiner Größe«.